CDU Stadtverband Werder (Havel)

Fünf Jahre Gemeindegebietsreform: Werder hat sich zur größten Stadt im Kreis gemausert

WERDER - Die Werderaner feiern ihr Blütenfest, die Glindower ihr Kirsch- und Ziegelfest.
Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass beim Umzug zum Blütenfest seit der Reform im Herbst 2005 die Glindower auch die Werderaner sind. Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) sieht die Entwicklung der Stadt und der acht Ortsteile nach dem Zusammenschluss insgesamt positiv. „Mit 23 000 Einwohnern sind wir die größte Stadt in Potsdam-Mittelmark geworden, das hat uns doch gemeinsam stärker gemacht. Wir haben viel Geld in Schulen, ob in Werder oder Töplitz investiert, das Klärwerk in Kemnitz modernisiert und in Glindow die Ortsdurchfahrt ausgebaut. 13,26 Euro je Einwohner stehen den Ortsbeiräten zur Verfügung, um zum Beispiel die Vereinsarbeit zu unterstützen“, sagt Große. Dennoch ließen sich nicht alle Wünsche erfüllen, das ist nach der Reform nicht anders als vor dem Zusammenschluss. Die Stadt konnte aber anders als Groß Kreutz (Havel) immer einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Davon profitiert auch Derwitz und wird nie bereut haben, sich Werder angeschlossen zu haben. Denn im Nachbarort Krielow ist dagegen das Geld immer knapp, weil die „Mutter“ Groß Kreutz (Havel) seit der Reform von einer Geldmisere in die nächste schliddert.

Golm, heute Ortsteil von Potsdam, hatte lange für einen Anschluss an Werder gekämpft, die Landesregierung entschied für die Landeshauptstadt. In Glindow waren Politiker schockiert, als das „Gespenst“ von der Eingemeindung nach Werder im Ort die Runde machte. „Den großen Vorbehalten, der Skepsis folgte im Lauf der Zeit zum Glück eine sachbezogene und kulturvolle Zusammenarbeit in den politischen Gremien und mit der Verwaltung.“ So sieht es heute der Glindower Ortsbürgermeister Sigmar Wilhelm (Freie Bürger). Die Stadt habe das Brauchwasserwerk übernommen und damit eine wichtige Grundlage geschaffen, um die Kulturlandschaft in der Region erhalten zu können. Auch der Panoramaweg vonPetzow nach Derwitz sei ein Symbol für das Zusammenwachsen, wenn rechts und links am Weg auch noch manches zu tun bleibt. „Ich hoffe sehr, dass es mit einem Kunstrasenplatz für unsere Sportler klappt und eine Lösung für die Turnhalle gefunden wird, mit der wir Glindower gut leben können.“

Der Kemnitzer Ortsbürgermeister Joachim Thiele (parteilos) dagegen sieht den Ortsteil als Verlierer der Reform. „Wir hatten anders als viele andere Gemeinden vor der Reform bereits die Hausaufgaben gemacht. Solide Politik, große gestalterische Potenz und Finanzkraft waren unser Markenzeichen. Nun ist alles verflossen, die Millionen sind verbraucht – und das ohne dass wir darauf wirklich Einfluss nehmen konnten.“ Thiele beklagt, dass die Ortsteile kein Stimmrecht in der Stadtverordnetenversammlung haben. Die Reform habe vor allem den Parteien noch größere Macht gegeben. Thiele erinnert sich: „Reform-Minister Jörg Schönbohm (CDU) hatte versprochen, dass die Kirche im Dorf bleibt. Aber dies wohl auch nur, weil die Kirche vor dem staatlichen Zugriff geschützt ist“, betont Thiele.

In Töplitz konnte Schulleiterin Serina Wick in der „Reformsuppe“ eigentlich kein Haar ausmachen. „Wir haben uns nie als fünftes Rad am Wagen gefühlt. Die Stadt hat die Schule modernisiert und ausgebaut. Die Flexklassen der Stadt sind schließlich in Töplitz.“ Die neue Mensa ist auch fast fertig. Als plötzlich Mehrkosten für den Bau auftraten, konnte sich Wick auf die Stadtverordneten verlassen, die grünes Licht für den Zuschuss gaben, damit Kinder schnellstmöglich in ihrer neuen Mensa kochen und speisen können.