WERDER - Zwei Obstgärtner am Hohen Weg hissten schon vorzeitig die weiße Flagge: „Wein ist ausverkauft – besuchen Sie uns im nächsten Jahr“, stand am Zaun. Mit einem rekordverdächtigen Finale ist gestern das 129. Baumblütenfest in Werder zu Ende gegangen. Allein am sonnigen Samstag kamen nach Schätzung der Stadt 100 000 Besucher. Die Deutsche Bahn zählte an diesem Tag 21 000 Fahrgäste.
„Gut möglich, dass es der bestbesuchte Tag in der Geschichte der Baumblüte war“, sagte Bürgermeister Werner Große (CDU). 100 Höfe und Gärten waren seit dem 26. April geöffnet. Mehr als 500 000 Menschen haben das größte Volksfest Ostdeutschlands nach Angaben der Stadt besucht. Wegen des Andrangs musste die Insel am Samstagnachmittag für eine Dreiviertelstunde abgesperrt werden – Polizei, Ordnungsamt und Ordner errichteten Gitter. Diese Maßnahme war nach einem Massengedränge vor ein paar Jahren in das Sicherheitskonzept aufgenommen worden und wurde nun erstmals angeordnet.
Härter als sonst griff das Ordnungsamt in diesem Jahr durch, um Hygieneauflagen durchzusetzen. Nachdem die Stadt auf öffentlichen Druck hin 100 entgeltfreie Toiletten aufgestellt hatte, ahndete sie laut Bürgermeister Große „Wildpinkeln“ in 200 Fällen. 1000 Euro Bußgeld seien kassiert worden.
Einen Verlauf, der „typisch für diese Größenordnung von Veranstaltung“ sei, vermeldete die örtliche Polizei. Bis zum gestrigen Abend wurden 138 Anzeigen – vor allem wegen Tätlichkeiten, Diebstahls und Sachbeschädigung – erstattet, 75 Tatverdächtige namentlich ermittelt. 179 Besucher erhielten Platzverweise, 14 Aufenthaltsverbote. Die Zahl der Festnahmen verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 42. Schwere Straftaten ereigneten sich zweimal: Ein Mann wurde bei einem Handgemenge lebensgefährlich am Kopf verletzt, ein anderer erlitt Schnittwunden (MAZ berichtete). „Eine „zunehmende Gewaltbereitschaft“ unter jungen Leuten hat Solweig Bohn von der Einsatzleitung der Polizei ausgemacht. Vor allem nach 18 Uhr hätten sich die Straftaten ereignet. Der Stadt stellte die Polizeiführerin ein gutes Zeugnis aus: „Es war super organisiert, die Zusammenarbeit klappte bestens“, so Bohn.
Ohne größere Vandalismusschäden ging das Baumblütenfest für die Deutsche Bahn zu Ende. In den Zügen und an den Bahnhöfen halbierte sich nach Auskunft der Bundespolizei die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr. Zu Störungen im Zugverkehr kam es am späten Samstagabend, weil ein Jugendlicher in Potsdam von einem Blütenexpress überfahren und schwer verletzt worden war.