Stadt stellt gebührenfreie Toiletten auf und verdoppelt Anzahl der Kabinen
WERDER - Mit mehr als 100 Toiletten – doppelt so viele wie in den Jahren zuvor – will Werder die Stadt zum 129. Blütenfest ausstatten. Und sie lässt sich diesen Service für die bis zu 500 000 Gäste, die in der Festwoche erwartet werden, 25 000 Euro aus dem Stadthaushalt kosten. „Damit finanzieren wir 96 Kabinen, mindestens 45 zusätzlich“, sagt Bürgermeister Werner Große (CDU). In den vergangenen Wochen hatten immer wieder Anwohner in öffentlichen Diskussionen und offenen Briefen neben weniger Lärm mehr Toiletten gefordert, damit Gäste nach reichlich Obstwein nicht mehr Hauswände oder Bäume aufsuchen, um sich zu erleichtern.
Mit der Entscheidung zur Finanzierung, welche die Fraktionsvorsitzenden gestern Abend trafen, will die Stadt zunächst einen Testlauf starten. Angeregt hatte diese Eilentscheidung das Stadtoberhaupt, weil der Mangel bei einigen Anwohnern für scharfe Kritik am Blütenfest gesorgt hatte. Daran konnten auch Gegeninitiativen für das traditionelle Fest nichts ändern. Einzelne Sponsoren zogen sich sogar zurück, wie die Veranstaltungsagentur erfahren musste – ein Reiseveranstalter wird das Fest dieses Jahr nicht wie bisher ansteuern.
Große zeigte sich erleichtert, dass die Fraktionsvorsitzenden gestern ohne Einschränkung seinen Vorschlag unterstützten, dass Geld aus dem Haushalt nun freigegeben werden kann. Neben den bisher üblichen Toilettenwagen, die für die Gäste kostenpflichtig bleiben, wird es mindestens 45 zusätzliche Kabinen ohne Bezahlung geben, die täglich entsorgt, gereinigt und mit Toilettenpapier ausgestattet werden. Schwerpunktstandorte auf der Insel sind laut Große am Schützenhaus, in der Gauklergasse, am Marktplatz und in der Lindenstraße. Darüber hinaus werden zusätzliche Toiletten im Hohen Weg, wo in den Gärten auch der Obstwein reichlich fließt, in der Eisenbahnstraße und im Kastanienweg aufgestellt.
Bewohner der Insel hatten berichtet, dass während der Festtage teilweise hunderte Besucher ihre Notdurft auf ihren Grundstücken verrichteten. „Wir haben schon überlegt, einen elektrischen Weidezaun anzubringen“, berichtete ein Anwohner der MAZ. Bürgermeister Große, der ebenfalls auf der Insel wohnt, hatte seinerseits dazu geraten, dem Problem mit einigen Eimern Wasser Herr zu werden. Die Verwaltung hatte Gratistoiletten bislang mit dem Hinweis auf die Kosten abgelehnt. Da das Fest keinen Eintritt koste, könnten die Gäste ruhig ein paar Cent für die WC-Benutzung zahlen.