Seit eh’ und je verarbeiten Obstbauern Früchte, die nach der Ernte nicht zügig zu verkaufen waren, zu Saft, feiner noch zu Wein, noch edler zu Schnaps. So erreichten sie längere oder sogar unbegrenzte Haltbarkeitsdauer ihrer Produkte. Vor 129 Jahren hatten Werderaner Obstbauern, allen voran Wilhelm Wils die zündende Idee, das Frühlingsnaturschauspiel der Obstbaumblüte zu einem Fest zu organisieren, in dem man diese Getränkekonserven an Ausflügler aus benachbarten Regionen und Großstädten verkaufen könne. Hierdurch konnten die ersten Einnahmen nach langen unproduktiven Wintern erzielt werden. Gleichzeitig konnten die Besucher für die wenige Wochen nach dem Fest beginnende Erdbeer- Strauchbeer-
und Kirschernte beworben werden.
So entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte aus diesem Fest ein erheblicher Wirtschaftsfaktor unserer Stadt, welcher am kontinuierlich wachsenden Wohlstand der Bürger hohen
Anteil hatte, der wiederum dem schönen Stadtbild sein Gepräge gibt. Das gefällt auch seit vielen Jahrzehnten unzähligen Zuzüglern
aus allen Himmelsrichtungen. Natürlich änderten sich im Laufe der Zeit die
Erwartungen der enorm steigenden Zahl der Festbesucher und damit stieg auch der organisatorische, logistische und Sicherheitsaufwand.
So beschlossen die Stadtverordneten mit großer Mehrheit vor Jahren, die Festorganisation einer professionellen Agentur zu
übertragen. Mit steigenden Besucherzahlen gab es natürlich
auch die eine oder andere Fehlentwicklung. Nun findet immer wenige Tage nach Festende eine Manöverkritik zwischen Veranstaltungsagentur,
Stadtverwaltung, Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr, öffentlichem Personennahverkehr u.a. statt. Auch der Kulturausschuß
der Stadtverordnetenversammlung beschäftigt sich jedes Jahr mit der Festnachschau.
So werden Problematiken verdeutlicht und können nach Möglichkeit, im Rahmen des
bis 2009 geschlossenen Vertrages mit der Agentur nachhaltig abgestellt werden. Nun haben sich Gruppierungen mit unterschiedlichen
Auffassungen zum generellen Festcharakter positioniert. Einige wollen das Fest zu einem ruhigen, gemütlichen Familienfest
umgestalten, andere wollen alles so lassen, wie es ist. Alle wollen Auswüchse eindämmen und alle wollen das Baumblütenfest
erhalten. Demokratisch entscheiden über Form und Charakter des 131. und künftige Baumblütenfeste
wird die Mehrheit unserer Stadtverordneten. Bis dahin gilt der Agenturvertrag.
Bis dahin sollten wir uns auch gewärtig sein, dass es lediglich 5 Hauptbesuchstage gibt:
zwei mal Samstag/Sonntag und den 1. Mai. Für die Einen zu viel, für die Anderen zu wenig.
Ich denke, gutwillig und tolerant werden wir alle dem Baumblütenfest 2008 etwas abgewinnen.
General-Anzeiger beteiligt sich ausdrücklich und auf keinen Fall an der mancherorts kolportierten
Geschichte, wonach jemand ein Grundstück in der Einflugschneise eines
Flughafens erwirbt und, nachdem er sich dort niedergelassen hat, eine Bürgerinitiative gegen Fluglärm gründet.
Übrigens:
Ein Hauptärgernis ist der extreme, unerträgliche
Lärm, den Fahrgeschäfte und Großbühnen
absondern. In diesem Jahr wird vom Ordnungsamt mit einem Lärmmeßgerät kontrolliert und gegebenenfalls
geahndet. Um 22.00 Uhr ist in allen Festbereichen Ruhezeit und die Insel wird abgesperrt.