Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) zum Streit um das Konzept des Baumblütenfestes - In Werder bringen derzeit zwei Initiativen ihre Sorgen über das Baumblütenfest zum Ausdruck: Die „Initiative 2008“ fordert weniger Rummel und Radau auf der Inselstadt. Der Verein „Werder24“ setzt sich derweil für eine Beibehaltung des Festgeschehens ein. Mit wem sympathisieren Sie eher?
Jeder hat das Recht, sich zu Initiativen zusammenzuschließen. Ich hoffe nur, dass es nicht eskaliert. Es ist klar, dass das Baumblütenfest für die Bewohner der Inselstadt, aber auch von anderen Stadtbereichen, eine Belastung darstellt. Die strittige Frage ist, ob man das ein paar Tage aushalten kann. Wer mit dem Baumblütenfest sein Geld verdient, hat sicher eine andere Meinung als derjenige, der sich in seiner Ruhe gestört führt. Das Rathaus achtet aber darauf, dass alle gesetzlichen Bestimmungen, besonders zum Lärmschutz, eingehalten werden und vor allem dass trotz 100 000er Gäste die Sicherheit gewährt bleibt.
Keine Fahrgeschäfte, keine Großbühnen, mehr und kostenlose Toiletten sowie ein Reparaturfonds für beschädigte Häuser – das sind die Forderungen, die die „Initiative 2008“ für die Inselstadt aufmacht. Wo können Sie mitgehen? Es gibt ein Problem mit den Toiletten, aber sie kostenlos zu machen würde rund 90 000 Euro kosten. Ich persönlich gebe gern 50 Cent, wenn ich dafür ordentliche und saubere Toiletten vorfinde. Ab einem gewissen Alkoholspiegel gehen manche Besucher aber leider nicht mehr auf die Toilette und würden es wohl auch dann nicht tun, wenn es kostenlos wäre. Wir werden weitere Toiletten auf die Inselstadt stellen, mehr ist im Augenblick nicht zu machen.
Was hindert Sie denn?
Wir hatten das Baumblütenfest ausgeschrieben und vergeben, bis 2009 gibt es die Agentur Horn als festen Vertragspartner. Sie hat für fünf Jahre den Zuschlag bekommen, für diesen Zeitraum hat sie auch ein Gesamtkonzept gemacht. Das Fest finanziert sich über Standgebühren und Einnahmen der Händler, und auch die Kosten für die Toiletten sind Bestandteil des Konzeptes. Es gibt noch weitere Kosten, zu erfüllende Auflagen, der Sanitätsdienst und die Sperrungen müssen bezahlt werden. Wir können hier und da nachjustieren, aber nicht das komplette Finanzierungskonzept umschmeißen. Wenn neue Forderungen aufgemacht werden, können sie Gegenstand der nächsten Ausschreibung werden.
Wo wurde denn schon nachjustiert?
Wo jetzt das Riesenrad steht, stand früher eine Wippschaukel, das ging immer „Hoppahoppa“. So ein Riesenrad bewegt sich ja langsam, das einzige Problem sehe ich darin, dass man vielleicht auf die Höfe gucken kann. Das Bühnenprogramm wurde in den vergangenen Jahren etwas verändert und auch auf älteres Publikum hin zugeschnitten. In diesem Jahr wird es nur ein großes Konzert am Freitag mit „City“ auf der Insel geben. 22 Uhr ist absolute Ruhe auf der Inselstadt, kein Festbereich wird früher geräumt und dichtgemacht. Und wir haben gegen enorme Widerstände durchgesetzt, dass es für den gesamten Zeitraum des Baumblütenfestes keine Glasflaschen in Werder zu kaufen gibt. Damals wurde deshalb der Untergang des Abendlandes prophezeit.
Und doch gibt es immer noch Sicherheitsprobleme, es soll auf der Inselstadt sogar schon zu Handgreiflichkeiten gekommen sein, wenn Bewohner sich bei Gästen beschwerten.
Ich würde Jedem raten, sich in Konfliktfällen mit den Ordnungskräften des Veranstalters, der Stadt oder der Polizei in Verbindung zu setzen. Wir werden die Telefonnummern auch nochmals bekannt geben. Wir versuchen dann, so schnell wie möglich vor Ort zu sein, um die Probleme zu klären.
Reicht das alles auf Dauer aus?
Das werden wir sehen. Nach der Kommunalwahl wird sich die Stadtverordnetenversammlung mit der Neuausschreibung befassen müssen – und auch mit den Widerständen, die es jetzt gibt. Man wird sehen, ob man zu den Bedingungen, die man dann formuliert, einen Partner findet. Man kann zum Beispiel überlegen, ob es auf der Inselstadt nur noch eine Bühne gibt und an welcher Grenze das letzte Fahrgeschäft steht. Da bin ich offen. Und wir werden uns damit befassen, ob die Stadt selbst Veranstalter bleiben will oder ob wir die Verantwortung komplett an diejenigen übertragen, die auch ein wirtschaftliches Interesse am Baumblütenfest haben. Aber man wird nie alle Interessen unter einen Hut bekommen.
Und die empfindliche Inselstadt komplett zu entlasten?
Die Inselstadt war immer Bestandteil des Baumblütenfestes. Das ist ja gerade das Besondere am Baumblütenfest, dass es in der ganzen Stadt und auf den Obstplantagen stattfindet. Wenn man die Inselstadt da ganz rausnimmt, kann man das Fest gleich vergessen. Jeder, der auf die Inselstadt gezogen ist, muss doch auch gewusst haben, dass dort die Baumblüte stattfindet und einmal im Jahr Remmidemmi ist.
Die Initiative 2008 hat auch eine Kostenaufstellung von Ihnen gefordert. Was verdient denn die Stadt am Baumblütenfest?
Wir sind wahrscheinlich die einzige Stadt in Brandenburg, die ein solches Fest ohne städtische Zuschüsse feiern kann. In Werder wird über die Gestattungen und indirekt auch über die Gewerbesteuern sogar am Baumblütenfest verdient, das lässt sich im Detail aber nicht ausrechnen. Werder hat ja durch das Baumblütenfest erst seinen Bekanntheitsgrad erlangen, vorher gab es hier nicht viel Leben. Wer nachmittags über die Baumblüte schlendert, kommt in 14 Tagen vielleicht auf die Insel zum Einkaufen. Das sind unverzichtbare Effekte.
Die SPD in Werder hat noch ein ganz anderes Fass aufgemacht: Wegen des Klimawandels das Fest um zwei Wochen nach vorn zu verlegen. Die Klimaforscher und selbst die Obstbauern bestätigen den Trend, die besonders attraktive Süßkirschenblüte findet schon jetzt im Schnitt eine Woche früher statt als vor 30 Jahren.
Früher wurde zur Pressekonferenz eingeladen, wenn sich Blüte zeigte – und dann ging es los und es wurde so lange gefeiert, bis das Geld in der Kasse war, einmal sogar bis Pfingsten. Das jedenfalls wird heute nicht mehr gehen. Die Obstbauern können ihre Höfe selbstverständlich früher öffnen, wenn sie es wünschen. Dass wurde ja auch schon so gemacht. Wenn neu ausgeschrieben wird, kann man sicher auch über den Termin nachdenken. Aber ich garantiere Ihnen: Dann ist die Föhse Anfang April zugefroren.
Das Interview führte Henry Klix