Sven Petke zu Gast im CDU-Stadtverband Werder
Von Henry Klix und Thorsten Metzner
Werder - Den Raum, den die E-Mail-Affäre in der Presse
Die Reihen fest geschlossen
Sven Petke zu Gast im CDU-Stadtverband Werder
Werder - Den Raum, den die E-Mail-Affäre in der Presse
einnimmt, würde sie in der Basis nicht haben, sagt Sven
Petke. Wenn man den Montagabend in Werder (Havel)
verfolgte, wo Petke dem CDU-Stadtverband seine
Gedanken zur derzeit laufenden Programmdebatte der
Partei darlegte, wollte man es fast glauben: Keine
kritischen Nachfragen, kein Nachhaken, wie es denn genau
war mit den Mails an Wanka, Schönbohm, Blechinger &
Co, keine Neugier, ob er die Mails an die Mitglieder des
Landesvorstands nun gelesen hat oder nicht.
Petke, nach wie vor Vorsitzender der
Programmkommission der CDU Brandenburg , bekommt
viel Raum für die Darstellung politischer Inhalte, schlägt
einen weiten Bogen von der Terrorbekämpfung zur
Familienpolitik, beantwortet Fragen wie die, ob die CDU als
Partei der Leistungsträger noch erkennbar sei oder ob die
Kommentare der Mitglieder im Internet in die
Programmdebatte auch wirklich einfließen?
Erst nach der Veranstaltung erzählt er in kleiner Runde
noch einmal seine Variante der Affäre: Von der „in einer
Klausur“ vorgestellten Möglichkeit, Mails unter
„name.nachname@cdu.brandenburg.de“ zu empfangen.
Von den Mails, die mit Anschreiben an die
Ministeradressen weitergeleitet wurden, etwa: „Liebe Frau
Wanka, die anhängende Mail hat uns im CDULandesverband
erreicht, wir leiten sie gern an Sie weiter.“
Davon, dass er die Mails „natürlich nicht“ gelesen habe …
„Und dann merken sie plötzlich, wie es kälter wird, wenn
dieselben Leute, die vorher nie etwas gesagt haben, einen
Schritt zurücktreten.“
In Werder traut man Petke. Gleich zu Beginn der
Veranstaltung der demonstrative Schulterschluss der hier
ansässigen Kreisvorsitzenden Saskia Funck: „Du warst
immer willkommen im Kreisverband Potsdam-Mittelmark
und ganz besonders im Stadtverband Werder.“ Der Bericht
der Junghanns-Kommission habe keine neuen
Erkenntnisse gebracht. Und anders, als es in der Presse
wirkt, liege auch nichts schriftliches von dort vor.
Werders Bürgermeister Werner Große hatte schon in
einem PNN-Interview vorigen Freitag die Linie vorgegeben.
Vor den etwa 20 CDU-Leuten im Hotel zur Insel wiederholt
er seine Position. „Irgendein halb gewalkter
Internetanbieter erzählt Geschichten, und die eigenen
CDU-Leute machen daraus eine Affäre. Wenn wir es in
Werder so gemacht hätten, wären wir nicht so weit
gekommen wie wir sind.“ Große benutzt ein Bild aus dem
Eheleben: Zum Streit solle man die Fenster schließen.
Interessant: Werders Bürgermeister erfuhr erst
Montagabend von Petke, dass die Landesgeschäftsstelle
auch ihm eine Mailadresse eingerichtet hat – auf der aber
nie etwas angekommen sei.
Im CDU-Stadtverband scheint man die
Spaltungstendenzen des Landesverbandes nicht
wahrhaben zu wollen, immer wieder wird ein „fairer
Wahlkampf“ der beiden Kandidaten für den Parteivorsitz,
Junghanns und Petke, heraufbeschworen. Draußen sieht
man es nach dem Interview des Bürgermeisters etwas
anders: Er schätze Werner Große als erfolgreichen
Bürgermeister, sagt CDU-Landesschatzmeister Dierk Homeyer. Und er gehe davon aus, dass die Bürger von
Werder einen Anspruch darauf haben, dass vertrauliche EMails
an ihren Bürgermeister nicht von jedermann gelesen
werden können. „Ich wundere mich deshalb, mit welcher
Oberflächlichkeit sich Werner Große – er ist auch Präsident
des Städte- und Gemeindebundes – über sensible Belange
des Datenschutzes äußert und die Datenschutz-
Verfehlungen in der Landesgeschäftsstelle der CDU
verniedlicht.“