Mitarbeit von Jugendlichen in Kommunen: Störfaktor oder Chance?
EICHWALDE - Die SPD ein Sportverein und Helmut Kohl ein Wissenschaftler? Auf Nachfrage sind solche Antworten an märkischen Schulen keine Seltenheit. Nicht so in Eichwalde. In Sachen Politik und Mitgestaltung sind junge Leute hier offenbar weiter als anderswo.
Nicht ganz zufällig fand hier am Samstag die Vollversammlung des Landesjugendrings Brandenburg statt. Zum Auftakt des Treffens diskutierten junge und angehende Parlamentarier im Humboldt-Gymnasium mit gestandenen Politikern. „Jugend in die Kommunen – Störfaktor oder Zukunftschance?“ so der etwas provokante Titel der Podiumsdiskussion.
„Auf in die Parlamente, logisch“, forderte SPD-Gemeindevertreterin Bärbel Schmidt auf. „Der Altersschnitt in unserem Gemeinderat liegt bei über 60 Jahren. Wir kennen doch die Bedürfnisse unserer Jugend oft gar nicht“, sagte sie. Damit sich das ändert, habe sich das Jugendparlament gegründet.
Doch es nütze das „jüngste Parlament“ nichts, wenn es nicht mit ausreichend Leben erfüllt werde, meinte Rico Kerstan, FDP-Kandidat für die Stadtverordnetenversammlung in Lübben. Der 18-Jährige machte auf Defizite aufmerksam. Gemeindevertretungen und Verwaltungen bemühten sich durchaus, Jugendclubs auf Vordermann zu bringen oder Spielplätze zu bauen. „Aber das alleine reicht nicht“, meinte Kerstan. Es hapert seiner Ansicht nach am „kontinuierlichen Kontakt“ und der „ständigen Einbindung der Jugend“ ins kommunale Geschehen. Er verspüre hin und wieder eine Arroganz der „Großen“.
Christian Große, Stadtverordneter in Werder (Havel), sprach sich für eine engere Kooperation zwischen Schulen, Jugendklubs und lokalen Vereinen aus. Die Lübbener Landtagsabgeordnete Karin Weber (Linke), die auch im Kreistag sitzt, forderte einen „Vertrauensaufbau“ zwischen Jugendlichen und Kommunalverwaltungen. Mit einem Jugendbetreuer für 29 Klubs, wie im südlichen Dahme-Spreewald, könne dies nicht gelingen. Karin Weber ermunterte Politikerkollegen, Ideen von Jugendlichen aufzugreifen und zu unterstützen. An deren Willen mangele es meist nicht.
Die Gäste mit langjähriger Politik-erfahrung holten hin und wieder zu längeren Referaten aus. Das ließ der Moderator nicht durchgehen und forderte etwa: „Werden Sie doch mal konkret.“ Ein anderes Mal hieß es: „Sie haben nicht auf meine Frage geantwortet.“
Die jungen Podiumsgäste kamen häufig schneller auf den Punkt. So auch der 30-jährige Christian Große, der seine Altersgenossen ermunterte, sich öfter aktiv in die Politik einzumischen. „Es macht Spaß, seine Region mitzugestalten und vor Ort etwas voranzubringen.“ Und Rico Kerstan meinte: „Meckern allein hilft nicht.“ Man müsse schon mal „aus der Hüfte“ kommen.
Dass es mit der Mitgestaltung oft nicht ganz einfach ist, zeigten einige Anträge auf dem Treffen des Landesjugendringes. In ungewöhnlich scharfer Form wurde hier Brandenburger Landespolitik kritisiert. Großen Worten der Landespolitik – etwa in Bezug auf die Finanzierung von Jugendarbeit – müssten nun Taten folgen. Es wurde gefordert, Jugendverbände als „außerschulischen Lernort“ anzuerkennen.